Tischkussion
Landjugend lädt zur TischkussionDer Bund der Deutschen Landjugend führte seit dem zweiten Quartal des Jahres 2005 sein Projekt „Landjugend lädt zur Tischkussion“ durch. Die Begriffe Tisch und Diskussion, aus denen das Kunstwort Tischkussion gebildet wird, bildeten den Rahmen für Veranstaltungen, die geprägt waren vom Gespräch und dem gemeinsamen Essen bei Tisch.
Mittlerweile ist das Projekt zwar abgeschlossen, das heißt aber noch lange nicht, dass es keine Tischkussionen mehr gibt. Denn die sind zu einer Methode für unsere Jugendarbeit und zu einem Markenzeichen für den BDL geworden.
Während des Projektes trafen sich bei vielen dezentralen Veranstaltungen der Ortsgruppen, der Landesverbände und bei Veranstaltungen des Bundesverbandes Landjugendliche mit ihren Gästen - zumeist PolitikerInnen von der Orts- bis zur Europaebene - zum Essen von regionalen Produkten und zum gemeinsamen Gespräch. Ein Höhepunkt des Projektes war die zentrale Veranstaltung in Berlin am 5. September 2006.
Die Ziele, die der BDL mit diesem Projekt verfolgte - und jetzt mit der Methode weiter verfolgt - sind vielfältig: In unserem Alltag werden mit zunehmender Flexibilität die Zeiten der gemeinsamen Mahlzeiten immer weniger. Damit verlieren sich die Möglichkeiten zum gemeinsamen Gespräch in der Familie, im Freundeskreis, im Betrieb oder mit Nachbarn. Deshalb laden Landjugendliche ganz bewusst Menschen aus ihrer näheren Umgebung, PolitikerInnen und WürdenträgerInnen zu einem gemeinsamen Essen ein. Dabei reden sie über verschiedene Themen, die z.B. junge Menschen auf dem Lande, aber auch das Zusammenleben im Dorf, der Gemeinde, der Kleinstadt betreffen, und beteiligen sich so am politischen und gesellschaftlichen Geschehen. Wir nennen das „tischkutieren“. Die Tischkussion bietet Jugendlichen und ihren GesprächspartnerInnen einen Rahmen in dem sie ungezwungen und in angenehmer Atmosphäre Anliegen und Inhalte besprechen können. Die Themen können sehr vielfältig sein - egal ob es um Arbeit und Beruf, „AusländerIn“ sein in der Heimat, Landwirt als Zukunftsberuf, politische Beteiligung, den Jugendraum oder den Öffentlichen Nahverkehr geht. Der Vielfalt der Themen sind keine Grenzen gesetzt. Durch das gemeinsame Essen und die entspannte Atmosphäre fällt es den Jugendlichen offensichtlich leichter, PolitikerInnen oder anderen WürdenträgerInnen ihre Anliegen zu vermitteln, und diese werden auch besser aufgenommen und diskutiert. ![]() Neben allen Inhalten sind natürlich die regionalen Produkte, die gemeinsam gegessen werden, nicht nur Rahmen und Schmuck. Jugendliche sind beí ihren Tischkussionen, bei denen sie als Gastgeber Heimisches anbieten, Botschafter für diese Produkte, für den ländlichen Raum und ihre Heimat, für die sie stehen. Sie bieten nicht nur Essen an, sondern präsentieren damit stolz ihre eigene Region mit den ihr eigenen Besonderheiten.
Nach einer Tischkussion setzt oft, sowohl bei den Jugendlichen als auch bei den Gästen, ein Umdenkprozess ein. Zu der Grundhaltung, dass alles am besten zum niedrigsten Preis immer verfügbar sein muss, kommen gegenläufige Aspekte wie die Bedeutung von Produkten aus der Heimat für die Heimat, die Frage was die Herstellung eines hochwertigen Lebensmittels für Kosten erzeugt oder welche Bedeutung regionale Wirtschaftskreisläufe haben. Die Rolle des Produzenten und des Verbrauchers als Nachbarn und PartnerInnen bekommt eine neue Qualität. ![]() Tischkussionsveranstaltungen: Zahlreiche Landjugendgruppen aus der ganzen Bundesrepublik beteiligten sich an dem Projekt führten viele Tischkussionen in ihren Regionen durch. Die Gäste reichten von BürgermeisterInnen, BundestagskandidatInnen, LandrätInnen bis zu Landes- und BundesministerInnen. Dazu kamen noch in einigen Landesverbänden größere Aktionen und Jahresprojekte, die die Tischkussion als Rahmen verwendeten.
Im Vorfeld der Bundestagswahl 2005 wurde den Jugendlichen eine Arbeitshilfe „Essen vor der Wahl“ zu Verfügung gestellt, die es ihnen erleichtern sollte, Tischkussionen mit PolitikerInnen und KandidatInnen im Wahlkampf zu veranstalten. Die vielen erfolgreichen „Wahltischkussionen“ haben es geschafft unbeeindruckt vom sonst vorherrschenden Wahlkampfgetöse Menschen mit ihren Anliegen wortwörtlich an einen Tisch zu bekommen. Durch die regionalen Produkte und die Betonung darauf haben es Jugendliche geschafft die Bedeutung von politischen Entscheidungen konkret vor Ort fassbar zu machen. Ein Höhepunkt des Projektes war die zentrale Veranstaltung im Zollpackhof Biergarten gegenüber dem Bundeskanzleramt am 5. September 2006 in Berlin. Bei den dezentralen Tischkussionen luden Jugendliche aus der Region ein, diesmal lud die gesamte Landjugend ein und kam aus ganz Deutschland zusammen, um sich mit Abgeordneten des Deutschen Bundestages zu treffen und ihre Themen und Ideen zu diskutieren. Die Produkte die dabei gegessen wurden, brachten die Jugendlichen von daheim mit; sie standen für die verschiedenen Regionen Deutschlands. Genau wie die Jugendlichen und ihre Diskussionsthemen repräsentierten sie die Vielfalt Deutschlands. Sie zeigten die Vielfalt und gleichzeitig Hochwertigkeit, die unser Land zu bieten hat. Die Jugendlichen demonstrierten ihren Gästen, dass sie einen starken Bezug zur eigenen Region haben aber auch Interesse am Dialog und Austausch - untereinander, mit anderen in der Landjugend, in Deutschland in ganz Europa. Die Botschaft, dass regionaler Bezug und Aufgeschlossenheit sowie Weltoffenheit sich nicht ausschließen ist eine zentrale Botschaft, die die jungen Menschen aus den ländlichen Räumen vermitteln wollen. weiter lesen >>> ![]()
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