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JugendlandwirtInnen-Kongress

Auf die Richtung kommt es an

Grünen Woche: Frische Brise beim BDL-DBV-Junglandwirtekongress

Es brauche faire und verlässliche Rahmenbedingungen, damit Landwirtschaft Zukunft hat. Darüber waren sich die knapp 500 jungen Landwirtinnen und Landwirte einig, die am 19. Januar 2008  beim Junglandwirtekongress auf der Grünen Woche über den Einfluss von Politik und Märkten auf die Landwirtschaft diskutierten.

In ihrer Begrüßungsrede wies die BDL-Bundesvorsitzende Anne Hartmann auf den frischen Wind hin, der die Landwirtschaft in den vergangenen Monaten spürbar belebt hat. Diesen müsse man für sich nutzbar machen und in die richtige Richtung lenken. Auch der DBV-Präsident Gerd Sonnleitner ging auf den Bewusstseinswandel in der Gesellschaft ein. Heute werde die Landwirtschaft als Wirtschaftskraft, Investor und Arbeitgeber wahrgenommen.
 
Das solle auch so bleiben, sagte Peter Kaltenegger von der Generaldirektion für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung der EU-Kommission. Die fairen Rahmenbedingungen würden durch den anstehenden Health Check zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt. Dieser werde keine neue Reform werden, sondern diene der Anpassung und Vereinfachung der Agrarreform von 2003. Zu den Zielen gehöre auch die Vereinheitlichung der Betriebsprämienregelung. Diese will die EU-Kommission durch die Entkopplung und ein Regionalmodell in allen Mitgliedsstaaten erreichen, das auf einheitliche Zahlungen pro Hektar abstellt.

Zu dem Vorschlag der Kommission, die Direktzahlungen für größere Betriebe ab einer bestimmten Größe zu kappen, äußerte er sich, bevor die jungen LandwirtInnen dazu kamen. Die Situation im Osten Deutschlands, wo Agrargenossenschaften wichtige Arbeitgeber in strukturschwachen Regionen sind, werden wir berücksichtigen. Auf der Suche nach einem Kompromiss forderte er alle im Berliner ICC auf, ihre Vorschläge zum Health Check einzubringen.

Der DBV-Milchpräsident Udo Folgart, ebenfalls auf dem Podium, lobte "das gesunde Selbstbewusstsein", mit dem die jungen LandwirtInnen ihre Positionen vortragen und sich für die Quotenabschaffung stark machen. Es sei in Politik und Gesellschaft angekommen, „dass ihr wirtschaften wollt und die Abschaffung der Quote darum wichtig ist für Euch. Für uns. Ich bin froh, dass unsere Positionen nahezu identisch sind“, sagte er: “Begleitmaßnahmen für den Quotenausstieg und die Berücksichtigung benachteiligter Gebiete sind und bleiben die Grundlage unserer Milchpolitik“, schloss Folgart.

Eher von der wirtschaftlichen Seite betrachtete Ludwig Striewe von Toepfer International Hamburg. Sein Unternehmen hat die Marktentwicklung analysiert und ist zu folgenden Schlussfolgerungen für die deutschen LandwirtInnen gekommen: Mittelfristig ist ein höheres Preisniveau zu erwarten. Die Preisschwankungen werden sehr groß bleiben. Letzteres ist zwar für den Ackerbau positiv zu bewerten, für die Veredelungswirtschaft heißt das aber, dass sie mit höheren und stark schwankenden Futtermittelpreisen rechnen müsse, sagte Striewe. Ein verstärktes Risikomanagement sei daher für Agrarunternehmen unerlässlich.

Die Märkte fest im Blick hatte auch Paul-Heinz Wesjohann, der für die Marke Wiesenhof steht wie kein anderer. “Qualität, Sicherheit und Transparenz haben unser Markenbild geformt“, sagte der Älteste in der Runde. Wiesenhof setzt auf eine umfassende Rückverfolgbarkeit der gesamten Produktion. „Unsere strikte Qualitätsphilosophie beinhaltet auch, dass keine gentechnisch veränderten Futtermittel eingekauft oder verfüttert werden. Wir berücksichtigen damit Verbraucherwünsche, auch wenn die nicht immer mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen einhergehen. Aber gegen die öffentliche und veröffentliche Meinung haben wir keine Chance“, so Wesjohann. Wiesenhof beziehe gentechnikfreies Soja direkt aus Brasilien, dessen Qualität und Reinheit überwacht werde.

In der Diskussion forderte der stellvertretende BDL-Bundesvorsitzende Johannes Scharl, die Flächenstilllegung abzuschaffen. “Angesichts der Flächenknappheit ist alles andere kontraproduktiv“, sagte er. Unter großer Zustimmung erneuerte er in diesem Kontext noch einmal die Forderung nach zuverlässigen politischen Rahmenbedingungen. “Dazu gehört: keine Kappung der Direktzahlungen, keine Erhöhung der Modulation“, so Johannes Scharl.

Den jungen LandwirtInnen ging es zudem in der Diskussion um Tipps zur Risikoabsicherung, um die weitere Ausgestaltung der Märkte, um ihr Unternehmertum, ihre Zukunft. “Wir wollen die Marktchancen nutzen“, so der BDL-Bundesvorsitzende Gunther Hiestand, der sich als Moderator der Diskussion Kilometergeld verdiente.