Unsere Frage
„Jetzt erst recht!“ steht in dicken schwarzen Lettern auf der Postkarte. Dahinter verbirgt sich keine Trotzreaktion einiger hartgesottener Landjugendlicher und auch keine Durchhalteparole. Vielmehr lief unter dem BDL-Jahresmotto des Jahres 2005 „Jetzt erst recht!“ eine Postkartenaktion des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL). Damit wollte der Verband in Erfahrung bringen, welche Ziele und Wünsche, welche Visionen und Vorhaben Landjugendliche für die Zukunft haben, und diese an die PolitikerInnen im Bundestag und den Landtagen weitergeben.
Eure Antworten
Der Stapel ist beachtliche 8,7 Zentimeter hoch. Er besteht aus 425 Jetzt-erst-recht-Postkarten, die den Weg in die BDL-Geschäftsstelle gefunden haben. Aus allen Bundesländern ist mindestens eine dabei. Aus Sachsen-Anhalt kamen die meisten Karten, überdurchschnittlich viele aber auch aus Württemberg-Hohenzollern. In dem stattlichen Stapel steckt sogar die Antwort einer Zwölfjährigen. Die meisten AbsenderInnen waren indes zwischen 14 und 17 Jahre alt - nur 13 SchreiberInnen älter als 30 Jahre. Das Wichtigste für den BDL ist aber nicht das Alter derjenigen, die sich die Zeit genommen haben, die Karten auszufüllen, sondern ihre Antworten.
DAS SOLL SICH ÄNDERN: Fast 30 Prozent aller Landjugendlichen, die ihre Karte an den BDL geschickt haben, wollen Verbesserungen, die sie direkt betreffen - nämlich in ihrer Wohnumgebung. Der größte Teil davon fordert mehr Freizeitmöglichkeiten bzw. mehr Einsatz für oder mehr Förderung der Jugendarbeit. Interessant ist, dass gerade diejenigen, die das Freizeit- und Bildungsangebot bemängeln, sich besonders stark engagieren, wie aus den Karten hervorgeht.
Ebenfalls zu den Favoriten gehört mit fast 20 Prozent aller Zuschriften das Thema Bildung/Beruf. Die jungen Leute fordern darin mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt, mehr Ausbildungs- bzw. Arbeitsplätze und Sicherheit.
Während auf den Postkarten nur in sieben Fällen Verbesserungen in Sachen Schule gefordert werden, lassen sich fast zehn Prozent der Zuschriften der Landwirtschaft zuordnen. Insbesondere das Ansehen der Grünen Berufe spielt dabei eine Rolle.
Zu den Themen von Relevanz gehören auch Regionalentwicklung und Politik sowie die Landjugend an sich. „Mehr Geld für die Landjugend“, mehr Motivation bzw. Engagement sowie mehr „Wir-Gefühl“ sind nur einige der Forderungen, die auf dem Postkartenweg ihren Ausdruck gefunden haben.
DAS PACKEN WIR AN: Nicht allen fiel dazu etwas ein. Zugegeben, die zwei kleinen Zeilen ließen bestenfalls für zwei Stichworte Platz. Doch immerhin lässt sich eins klar sagen: Reden/aufklären/werben/begeistern für die Landjugend wurde oft genannt, aber auch das Engagement im Ehrenamt. Zusammen genommen machen diese Antworten immerhin fast 64 Prozent der Kommentare zu diesem Punkt aus.
Eins ist nach der Postkarten-Aktion klar: Die Aussagen der Karten stimmen mit den Problemen, die der BDL sieht, überein. Ob Landjugendliche/r, Jugendgruppe, Landes- oder Bundesverband - jeder geht die benannten Probleme auf ihre/seine Weise an.
Denn: Landjugend ist, was Landjugend macht.